Kann ein Gerücht mein Gehirn infizieren?

Es ist unberechenbarer als ein Virus, verbreitet sich schneller als eine Epidemie und kann einen Menschen innerhalb weniger Tage töten: Kaum ein anderes Phänomen wird in seiner Gefährlichkeit so unterschätzt wie ein Gerücht. Aber wie entstehen überhaupt Falschmeldungen? Was passiert dabei in unserem Gehirn? Und welche dunklen Kräfte sorgen dafür, dass aus einem Gerücht eine Paranoia wird....?

I»rgendwas ist in ihrem Haus. Katie ist sich ganz sicher. Fast jede Nacht hört die Studentin dumpfe Schritte. Türen schlagen zu, oder der Fernseher springt plötzlich an. ›Unsinn‹, sagt ihr Freund Micah, der im selben Bett schläft und nie etwas bemerkt. Einige Tage später hört jedoch auch der 28-Jährige Geräusche, woraufhin er eine Kamera im Schlafzimmer aufstellt. Was diese dann in den darauffolgenden Nächten aufzeichnet, ist verstörend und beängstigend zugleich: Immer wieder laufen Katie und Micah panisch durch das Haus, sprechen verängstigt mit zittriger Stimme in die Kamera und steigern sich wie im Wahn in eine schwere Paranoia. Ein Geist oder ein Einbrecher ist auf keiner einzigen Sequenz zu sehen. Die letzte Aufnahme zeigt schließlich den leblosen Körper von Micah − und Katie, wie sie über ihrem Freund kauert. Dann wird das Bild schwarz ....«
 Als der Horrorfilm »Paranormal Activity« im November 2009 das erst Mal im Kino gezeigt wird, verlassen viele Zuschauer aus Angst vorzeitig den Saal. Einige klammern sich aneinander, andere beginnen panisch zu schreien. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich das Gerücht,




es handle sich bei dem Film um ein echtes Video. Eine Woche später hat die 15.000 Dollar-Produktion mehr als 100 Millionen Dollar eingespielt. Aber warum ist genau dieser Film so ein Mega-Erfolg?
 »Der Clou des Films ist, dass er die dunkelsten Kräfte in unserem Gehirn entfesselt«, sagt der US-Psychologe Daniel Freeman: »Die nackte Angst in den Gesichtern der Schauspieler, ihre Panik und paranoiden Gedanken springen auf die Zuschauer über, ohne dass dieser sich dagegen wehren kann. Er fühlt plötzlich die gleiche Angst wie die Akteure, denn sein Gehirn hält die Bilder für real.«
 Nur so konnte sich auch das Gerücht so schnell verbreiten, der Film sei echt und keine Fiktion. Jetzt entdeckten Neurologen erstmals, wo genau diese extremen Stimmungsreflexionen in den Köpfen der Menschen entfacht werden − und wie sich dadurch Gerüchte wie ein Lauffeuer verbreiten können. Verantwortlich dafür sind die sogenannten Spiegelneuronen ....
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Diese Seiten wurden am Montag, den 23. Januar 2012 um 14:02:16 überarbeitet.